Cannabislegalisierung in Deutschland!
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Ältere Neuigkeiten: 08.04.2001 - 11.05.2001

11.05.2001

Wir haben eine Antwort von Norbert Geis, dem vom rechtspolitischen Sprecher der CDU/CSU, auf unsere Site gestellt. In unserem Schreiben hatten wir gefragt, warum für Cannabisanbau härtere Strafen gelten als für Körperverletzung und fährlässige Tötung:
 
E-Mail an Norbert Geis
E-Mail von Norbert Geis


Oft wird zur Verteidigung des Cannabisverbots auf jährlich Tausende von Besuchen bei Drogenberatungen verwiesen, in denen es um Cannabis geht. Ein Artikel von uns geht auf diese Argumentation ein:
 
Cannabis und Drogenberatungszahlen

In einem weiteren Artikel erläutern wir welche Alternativen es zum Cannabisverbot gibt und welche Länder sie praktizieren:
 
Reform der Cannabispolitik


Der Fachverband Drogen- und Rauschmittel befüwortete auf dem 24. Bundes-Drogen-Kongress in Leipzig die Entkriminalisierung von Cannabis:

Experten wünschen einheitliche Urteile zu Haschischkonsum
Politik soll Jugend- und Suchtarbeit enger verzahnen - Eineinhalb Millionen junge Leute konsumieren Rauschgifte
 
Leipzig (AP) Der Fachverband Drogen und Rauschmittel (FDR) hat eine klare und einheitliche Linie der Justiz im Umgang mit Haschisch konsumierenden Jugendlichen gefordert. «Es ist den Betroffenen nicht zu vermitteln, warum Gerichte in den Bundesländern unterschiedliche Urteile dazu fällen», sagte FDR-Geschäftsführer Jost Leune am Montag in Leipzig zum Auftakt des 24. Bundes-Drogen-Kongresses, bei dem rund 500 Teilnehmer bis Mittwoch über Wege in der Drogenhilfe für Jugendliche und junge Erwachsene diskutieren.
 
Der gerichtliche Umgang mit Haschischkonsumenten sei anachronistisch, meinte Leune. Es müsse zwar deutlich werden, dass der Gebrauch des Rauschgifts gesellschaftlich unerwünscht sei, jedoch sollte «nicht unbedingt ein Straftatbestand daraus konstruiert werden». Man könne ihn als Ordnungswidrigkeit ahnden.


Heute vor 20 Jahren starb Bob Marley. Für die "Bild"-Zeitung war der Fall damals klar: "Lungenkrebs durch zuviele Joints". Tatsächlich aber starb der berühmteste Sohn Jamaikas an Metastasen von Hautkrebs (Melanom) an einer Fussballverletzung am Zeh. Mehr dazu auf englisch auf http://www.bobmarley.com


10.05.2001

Die niederländische Regierung will im Dezember eine internationale Konferenz zur Cannabispolitik in Europa abhalten. Zuerst soll im Herbst ein Treffen der Gesundheitsminister der Niederlande, Deutschlands, Belgiens und der Schweiz stattfinden. Zur eigentlichen Konferenz werden auch Abgeordnete des Bundestags und des Europäischen Parlaments geladen werden.
 
Informationen zur europäischen Cannabis-Konferenz
Stiftung Drogenpolitik zum "Hintertürproblem" in den Niederlanden


09.05.2001

Am Donnerstag, den 03.05.2001 kandidierten vier westliche Bewerber für drei Posten in der UN-Drogenaufsichtsbehörde INCB. Die Niederlande waren unter den Gewinnern, die USA verloren. Der amerikanische Kandidat war seit 1992 auf dem Posten tätig. Das INCB kontrolliert die Einhaltung internationaler Drogenabkommen. In den Niederlanden wird der Besitz von Cannabis seit 1976 nicht mehr verfolgt. Die Existenz von Coffeeshops zur Märktetrennung war 1992 vom INCB kritisert worden, ebenso wie im Februar die lebensrettenden Fixerstuben in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern.
 
Artikel im Kölner Stadtanzeiger
INCB Homepage
INCB Jahresbericht 2000 zu Europa (Adobe PDF)


08.05.2001

Keine Gefängnisstrafen für Cannabisbesitz in Luxemburg mehr! Der Grossherzog unterschrieb das neue Gesetz am 27.04. Zwar verbleibt auch künftig noch die Möglichkeit einer Geldstrafe, Beschlagnahmungen von Cannabis, eine Durchsuchung der Person oder der Wohnung oder Haft wird es künftig nicht mehr geben.
 
Mehr dazu hier


07.05.2001

Aktuelle Berichte von den Veranstaltungen am 05.05.2001 aus Flensburg, Hamburg, Düsseldorf, Alsfeld, Nürnberg und Bregenz (AT):
 
Berichte von der "Space Odyssey"


Das Hanfmuseum in Berlin kämpft mit Existenzproblemen. Wenn keine neuen Mittel gefunden werden wird das einzige Hanfmuseum in Deutschland am 06.12.2001 seine Türen schliessen:
 
Mitteilung des Hanfmuseums


Termine zu Cannabis und Drogenpolitik:
 
18.05. Podiumsdiskussion in Lörrach, mit Experten aus der Schweiz (PDS)
19.05. Seminar rund um Drogen in Oberfranken (bayerische Jusos)
26.05. Gründungsversammlung des Vereins für Drogenpolitik in Mannheim
02.06. Hanffeuer in Wien.
Diese und andere Ankündigungen finden Sie bei unseren Terminen.


06.05.2001

Ulla Jelpke (drogenpolitische Sprecherin der PDS) stellte am 12.04.2001 eine Kleine Anfrage im Bundestag zur Einstellungspraxis in den Bundesländern über die nicht der Strafverfolgung unterliegenden "geringen Mengen" zum eigenen Konsum (14/5770). Die Regierung wurde aufgefordert zu erläutern, welche Schritte sie unternehmen will, um eine einheitliche Praxis der Strafverfolgung in den Bundesländern herzustellen, wie vom Bundesverfassungsgericht schon 1994 vorgeschrieben. Die Antwort der Regierung (14/5897) vom 24.04.2001 war wenig aufschlussreich. Sie verwies nur auf eine Antwort auf eine Anfrage von Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (drogenpolitische Sprecherin der FDP) von 1999, aus der die ganz wesentliche Tatsache nicht hervorgeht, in welchem Prozentsatz der Fälle in welchem Bundesland überhaupt eine Einstellung erfolgt! Die nicht eingestellten Fälle wurde nämlich gar nicht berücksichtigt, obwohl es dabei z.B. in Bayern teilweise um weniger als 1 Gramm Haschisch geht. Es wurden nur die straffrei eingestellten Ermittlungsverfahren nach Cannabis-Menge unterteilt.
 
Anfrage von Ulla Jelpke (PDS)
Antwort der Regierung


Wir haben unsere Sektion Hanf & Recht mit Links zu Informationsmaterialien der Hasch-Hotline erweitert. Von dort sind die folgenden Merkblätter herunterladbar (als Adobe PDF) und können ausgedruckt, kopiert und weitergegeben werden:

Cannabis und Führerschein
Recht und Gesetz: Verhaltenstipps bei Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden
Drogenkonsum und Führerschein: Verkehrskontrollen, Urintests
Zum Umgang mit den Strafverfolgungsbehörden
Einstellungspraxis in den Ländern


04.05.2001

Am Samstag, den 05.05.2001 finden in 120 Städten weltweit Veranstaltungen gegen das Cannabisverbot statt, darunter auch in Flensburg, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Alsfeld (Hessen), Nürnberg und Bregenz (Vorarlberg, Österreich):
 
Übersicht über die Veranstaltungen in Deutschland und Österreich


Die britische Firma GW Pharmaceuticals hat eine Spray entwickelt, mit dem Auszüge aus natürlichem Cannabis zur medizinischen Therapie verabreicht werden können, z.B. bei Multipler Sklerose. Das Spray wirkt in wenigen Minuten und vermeidet die Risiken die mit dem Inhalieren von Rauch verbunden sind.
 
NORML Weekly News
Medicinal Cannabis Project


Das Cannabisverbot in Deutschland führt zu Belästigungen für Niederländer durch den Besucherverkehr: Zahlreiche deutschen Touristen besuchen niederländische Städte im Grenzgebiet um dort in Coffeeshops Cannabis zu erwerben. Die Stadt Venlo plant jetzt, Cannabis an einem Autoschalter ausserhalb der Innenstadt zu verkaufen, um so den Besucherstrom vom Stadtzentrum fernzuhalten. Dieses Problem liesse sich sinnvoller durch eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland lösen. Das würde unnötigen Verkehr vermeiden sowie in Deutschland selbst neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen schaffen.
 
Venlo: "Drive-thru"-Läden gegen City-Kollaps


01.05.2001

Das Bezirksgericht Wels in Oberösterreich hat Gerhard H. (43) wegen unerlaubten Anbaus von Cannabis freigesprochen. Das Gericht billigte ihm eine medizinische Notlage zu, weil er nur dank Cannabis seine medizinische Behandlung fortsetzen kann:

"Ich werde sterben, wenn ich nicht weiter Hanf rauche", hatte Gerhard H. das Gericht schon vor Jahren vor vollendete Tatsachen gestellt. Nun hat er es schwarz auf weiß: Seine Haschischpflanzen sind für ihn eine Überlebensfrage.
(Oberösterreichische Nachrichten, 30.04.2001)
Gerhard H. leidet an AIDS. Die modernen AIDS-Medikamente sind wirksam, verursachen jedoch oft extreme Übelkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, was lebensgefährliche Konsequenzen haben kann. Was Gerhard H. bei einer Verurteilung passieren hätte können, zeigte der tragische Fall von Peter McWilliams (50) in den USA. Voriges Jahr wurde der bekannte amerikanische Bestsellerautor tot in seiner Wohnung aufgefunden. McWilliams war vor Jahren an AIDS erkrankt. Wirksame Medikamente konnten zwar die Viruserkrankung zurückzudrängen, als Folge der Medikamente trat jedoch eine intensive Übelkeit und Appetitlosigkeit auf. Peter McWilliams konnte diese Nebenwirkungen nur durch Cannabis überwinden und so seine Therapie erfolgreich fortsetzen. Schliesslich war die Viruserkrankung soweit zurückgegangen dass sie kaum noch nachweisbar war. Im Jahre 1999 wurde er dann wegen Cannabisanbaus vor Gericht gestellt. Richter George King verbot ihm die weitere Verwendung von Cannabis als Arznei und ordnete regelmässige Urinproben an. Hätte Peter McWilliams weiter Cannabis verwendet, wäre das als Sicherheit für seine Kaution verpfändete Haus seiner Mutter versteigert worden. Peter McWilliams hatte ohne die antiemetische (übelkeitsbekämpfende) Wirkung von Cannabis Schwierigkeiten, Nahrung und Medikamente nicht sofort wieder zu erbrechen. Er verlor in den folgenden Monaten rapide an Gewicht, seine Viruszahl schoss nach oben. Am 14. Juni 2000 erstickte Peter McWilliams an seinem eigenen Erbrochenen.

Wann wird das Cannabisverbot aufgehoben?

Oberösterreichische Nachrichten vom 30.04.2001)
Informationen über Peter McWilliams
Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin


28.04.2001

Politiker sowohl der Regierung als auch der Opposition tun sich sichtlich schwer im Umgang mit den Zahlen und Fakten, auf denen der Drogenbericht 2000 des Bundesgesundheitsministeriums aufbaut. Das zeigen zwei Kommentare, die wir auf unserer Website analysiert haben.
 
1. Eine detaillierte Erwiderung auf den Bericht der Drogenbeauftragten, Marion Caspers-Merk und auf ein kürzliches Interview mit ihr ist zur Zeit in Vorbereitung. Einige vorläufige Anmerkungen finden Sie einstweilen hier.
 
BMG Pressemitteilung: "Riskante Konsummuster bei Jugendlichen nehmen zu"
Unser Kommentar zum Sucht- und Drogenbericht 2000
 
2. Der ehemalige Bundesgesundheitsmister Horst Seehofer (CSU) hat sich in einer Pressemitteilung zum Drogenbericht der Bundesregierung geäussert. Darin macht ohne nähere Begründung die Einrichtung von Fixerstuben in einigen Städten und die geplante kontrollierte Heroinabgabe für die jüngste Zunahme der Sterblichkeit im Zusammenhang mit harten Drogen verantwortlich. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. Wie haben deshalb eine Erwiderung auf Herrn Seehofers Behauptungen auf unsere Website gestellt.
 
Seehofer: "Drogenbericht ist Dokumentation rot-grünen Scheitern"
Unser Kommentar zur Pressemitteilung von Herrn Seehofer


26.04.2001

Eine Kurzfassung des Sucht- und Drogenberichts 2000 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Caspers-Merk, ist auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit erhältlich:
 
BMG Pressemitteilung: "Riskante Konsummuster bei Jugendlichen nehmen zu"
Sucht- und Drogenbericht 2000 (Microsoft Word, 63 KB)


Der Spiegel berichtet über den Versuch der Koreanerin Mun-ju Kim, die wie viele Asiaten keinen Alkohol verträgt, eine offizielle Cannabislizenz zu erhalten, damit sie legal Cannabis zum persönlichen Konsum besitzen darf.
 
Der Spiegel: "Koreanerin klagt Recht auf Rausch ein"
http://www.kimwillkiffen.de


25.04.2001

Am Samstag, den 05.05.2001 finden in 120 Städten weltweit Veranstaltungen gegen das Cannabisverbot statt, darunter auch in Flensburg, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Alsfeld (Hessen), Nürnberg und Bregenz (Vorarlberg, Österreich):
 
Übersicht über die Veranstaltungen in Deutschland und Österreich
Flugblatt aus Flensburg (von Peter Bluhm)
Flyer aus Bregenz (vom Legalize Österreich e.V.)
 
Am 02.06.2001 findet ausserdem in Wien eine schon traditionelle Demonstration statt, das vierte Hanffeuer:
 
Pressemitteilung der Hanffeuer-Veranstalter


"Grob geschätzt, hat das halbe Kabinett seine Hasch-Erfahrung gemacht", erfuhr die Zeitschrift MAX (Heft 09/2001 vom 19.04.2001) von einem Regierungsmitglied. Man droht also jungen Menschen von heute mit Strafen für etwas was man einst selbst getan hat. Eine Reihe von Prominenten haben laut einem Artikel der Zeitschrift Cannabis-Erfahrungen gemacht und sprachen darüber.

"Meine Meinung von damals: Die Drogengesetzgebung ist überlebt. Sie schafft kriminalisierte Menschen. Man sollte Drogen legalisieren und sie in beschränkter Menge in Apotheken abgeben. Drogenhändler verlören ihre Jobs, und auf den Schulhöfen gäbe es keine Verführer. (...) Daran hat sich bis heute nichts geändert."
(Ulrich Wickert, "Tagesthemen"-Moderator)
 
Ausserdem: Heiner Lauterbach (Schauspieler), Angelika Beer (wehrpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen), Christine Kaufmann (Schauspielerin und Autorin), Hellmuth Karasek (Autor), Gregor Gysi (MdB PDS), Rainer Meifert (Schauspieler), Jürgen Drews (Schlagerstar), Klaus Löwitsch (Schauspieler), Wolfgang Joop (Designer und Autor), Felix Magath (Bundesligatrainer, VfB Stuttgart), Nadja Abd el Farrag, Moritz Bleibtreu (Schauspieler), Florian Walberg (Leadsänger der Popgruppe Glass), Angela Marquardt (PDS), Tobi Schlegl (Viva-Moderator), Karl Dall (Komiker).
Max: "Bekiffte Republik"
Hamburger Abendblatt: "Wickert gesteht: Ich nahm Hasch"


24.04.2001

Ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitung der Grünen, Schrägstrich, kündigt Anhörungen zum Thema Führerschein sowie Entkriminalisierung an:

Cannabiskonsum entkriminalisieren
Die neue AG Drogenpolitik unter der Leitung von Christa Nickels hat ihre Arbeit aufgenommen. Noch in dieser Legislaturperiode sind zwei Anhörungen geplant. Die erste wird sich mit dem Thema "Drogen im Straßenverkehr" beschäftigen. Langfristiges Ziel ist, die Ungleichbehandlung von Cannabis- und Alkoholkonsumenten zu beenden. Derzeit wird Alkoholmissbrauch erst dann geahndet, wenn jemand betrunken am Steuer erwischt wird. Dagegen kann bereits der bloße Besitz von Cannabis dazu führen, dass die Polizei eine medizinischpsychologische Untersuchung (MPU) anordnet, um die Fahreignung des Betroffenen zu überprüfen. Die Anordnung einer MPU ist rechtlich nicht anfechtbar. Viele Fachleute sind deshalb der Auffassung, die MPU werde unter der Hand zu einem neuen Sanktionierungsmittel gegen Cannabiskonsumenten. Eine zweite Anhörung soll sich der weiteren Entkriminalisierung von Cannabis widmen. Da dies auch ein Anliegen der Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratie und Recht ist, soll daraus eine gemeinsame Veranstaltung von Fraktion und Partei werden. Zu den Mitgliedern der neuen AG Drogenpolitik gehören neben Christa Nickels auch Volker Beck, Monika Knoche, Sylvia Voss sowie Helmut Wilhelm, der speziell für das Thema "Drogen im Straßenverkehr" zuständig ist.
Schreiben Sie an diese Abgeordneten, um auf die Dringlichkeit des Problems hinzuweisen. Allein seit der Cannabisentscheidung des Bundesverfassungsgerichts haben Staatsanwälte gegen eine halbe Million Menschen ermittelt, ohne dass es zu einer bundeseinheitlichen Einstellungspraxis gekommen wäre, wie damals von den obersten Richtern ausdrücklich gefordert.


23.04.2001

In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger unter dem Titel "Vernunft statt Ideologie" sprach Richter Wolfgang Neskovic über Drogenpolitik. 1993 veranlasste er durch seinen Vorlagebeschluss die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1994. Einige Ausschnitte aus dem Interview:

KSTA: "Ist aber angesichts zunehmender Suchtgefahren in unserer Gesellschaft Liberalisierung nicht eher ein falsches Signal?"
Neskovic: "Nein. Wer eine andere Drogenpolitik betreibt als die gegenwärtige, minimiert Schäden. Dass Suchtprobleme nicht über Kriminalisierung zu lösen sind, ist eigentlich für jeden, der sich mit der Problematik beschäftigt, offensichtlich. Eine Kriminalisierung fügt nur noch weitere Probleme hinzu. Zudem werden Justiz und Polizei instrumentalisiert und Ressourcen, die wir in der allgemeinen Verbrechensbekämpfung gebrauchen, unnötig verschwendet."
...
"Die Schweizer vergleichen die Schadensfolgen, die die Kriminalisierung erreicht, mit den Folgen, die eintreten, wenn dies nicht stattfindet. Da kann man in einem simplen Rechenprozess feststellen, dass die Vorteile einer Nicht-Kriminalisierung unzweifelhaft überwiegen."
...
"[Ich] gehe (...) davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre eine weitere Entkriminalisierung gerade bei den Cannabis-Produkten stattfinden wird." (Kölner Stadtanzeiger, 23.04.2001)


20.04.2001

Wir haben eine Antwort von Marion Caspers-Merk, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, auf unsere Site gestellt. Zusammen mit diesem Schreiben erhielten wir ein Interview mit Frau Caspers-Merk für die Fachzeitschrift "Akzeptanz". Darin nennt die Drogenbeauftrage aktuelle Zahlen aus der noch unveröffentlichten Repräsentativerhebung 2000 zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen unter Erwachsenen in Deutschland (die neueste veröffentlichte Erhebung stammte von 1997). Die frischen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache vom Scheitern des Cannabisverbots:

  • Die scharfe Repression gerade in den neuen Bundesländern war ohne nachweisbare Wirkung auf den Anstieg, der eine Beinahe-Angleichung der aktuellen Konsumzahlen erreichte.
  • Die Anzahl der Personen die jemals illegale Drogen probiert haben (davon 90 Prozent Cannabis) stieg in nur drei Jahren im Westen um die Hälfte, im Osten verdoppelte sie sich.
  • Der aktuelle Konsumentenzahl illegaler Drogen stieg im Westen um ein Fünftel, im Osten verdoppelte sie sich.
  • Der Bevölkerungsanteil aktueller Konsumenten illegaler Drogen im Osten im Jahr 2000 übertraf sogar den entsprechenden Wert von 1997 im Westen.
Die Erfahrung zeigt eindeutig, dass Repression als Mittel zur Beschränkung des Cannabiskonsums nicht geeignet ist:
"Für das Jahr 2000 stieg die Life-time-Prävalenz - also der mindestens einmalige Konsum - in den alten Bundesländern von 14,2 % auf 21% an, in den neuen Ländern von 4,8 % auf 11%. Der Anteil der aktuellen Konsumenten stieg von 4,9 % der westdeutschen Befragten auf 6% und von 2,7 % der ostdeutschen Befragten auf 5%." (Marion Caspers-Merk)
 
"Die verbreitete Vermutung einer ins Gewicht fallenden generalpräventiven Wirkung der Konsumstrafbarkeit kann nicht nachgewiesen werden und scheint auch wenig plausibel. (...) Sämtliche empirischen Untersuchungen und statistischen Daten ... deuten dementsprechend mit steter Regelmässigkeit darauf hin, dass zwischen der Verbreitung/Häufigkeit des Drogenkonsums und der strafrechtlichen Verfolgungs- und Sanktionierungspraxis kein signifikanter Zusammenhang besteht." (Schweizer Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Schweizer Parlaments, 30.04.1999)
Repression verursacht nur zusätzliche Probleme. Schreiben Sie an Politiker!
 
E-Mail von Marion Caspers-Merk
Interview mit Marion Caspers-Merk
Die Verantwortlichen in der Politik


15.04.2001

Wir haben einen Brief von Ute Vogt auf unsere Site gestellt. Darin bekundet die Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin der SPD in Baden-Württemberg ihre Unterstützung für eine Entkriminalisierung von Cannabiskonsumenten.

"Durch die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts ist immer noch nicht vollständig klar, was im Einzelfall Eigenbedarf ist und was nicht. Deshalb finde ich es entscheidend, zunächst den Verbrauch zu entkriminalisieren.
In einem zweiten Schritt sollten wir sehr sorgfältig über den weiteren Umgang mit Cannabis beraten. Aktueller Vorschlag ist momentan die Durchführung einer Anhörung im Bundestag, zu der auch und gerade KonsumentInnen eingeladen werden. Diese Forderung finde ich sehr sinnvoll und unterstütze sie auch."
Brief von Ute Vogt 11.04.2001
Homepage von Ute Vogt
Unsere Sammlung von Offenen Briefen


Friedrich Wackerhagen (41, CDU), ein aufstrebender Kommunalpolitiker, ist wegen Drogenhandels festgenommen worden. Der stellvertretende Bürgermeister von Lehrte-Hämelerwald wurde von einem Mobilen Einsatzkommando der Polizei mit 19 kg Haschisch und 100 g Kokain im Kofferraum seines Wagens ertappt. Auch DM 70.000,- Bargeld wurden beschlagnahmt. Die Bande für die Wackerhagen arbeite, soll seit Jahresanfang 100 kg Haschisch und 5 kg Kokain im Wert von 2,5 Millionen DM umgesetzt haben. Besonders pikant:

"Parteifreunde erinnern sich an Wackerhagens Meinung zur CDU-Spendenaffäre: Es sei wichtig, dass das Geld nicht aus dunklen Geschäften wie dem Drogenhandel stamme..." (Neue Presse, 14.04.2001)
"Ein Dorf steht unter Schock"
"Wackerhagen tritt aus der CDU aus"


Im Online-Forum des Deutschen Ärzteblatts findet eine lebhafte Diskussion über den Artikel von Dr. Nedelmann "Das Cannabisverbot ist ein kollektiver Irrweg" statt. Zu Wort gemeldet hat sich dort Dr. Täschner als auch Dr. Franjo Grotenhermen von der ACMED. Die Beiträge sind kontrovers und lesenswert.
 
Cannabis-Forum des Deutschen Ärzteblatts
ACMED

Die folgenden Beiträge von Dr. Grotenhermen haben wir mit der freundlichen Genehmigung des Autors auf unsere Website übernommen.
 
Cannabis und das "amotivationale Syndrom"
Cannabis und Psychosen
Cannabis und Strassenverkehr
Cannabis als Medizin
Antwort auf Artikel von Dr. Rommelspacher


13.04.2001

Jo Biermanski, der Pressesprecher der Grünen Hilfe, hat eine Antwort aus dem Büro der neuen Bundesgesundheitsministerin, Frau Ulla Schmidt, erhalten. Der Brief ist in Hanf! Magazin 04/2001 veröffentlicht. Vor allem das Ende des Briefs weckt Hoffnungen auf Reformen. Jetzt kommt es darauf an, die öffentliche Diskussion zu fördern und den Druck auf Politiker zu verstärken.

"Der Bundesregierung geht es bei der Regelung des Umgangs mit Cannabis letztlich darum, einen verfassungskonformen Ausgleich zwischen dem erforderlichen Gesundheitsschutz für den Einzelnen und die Allgemeinheit einerseits und den Einschränkungen der persönlichen Handlungsfreiheit infolge des strafbewehrten Cannabisverbots andererseits zu finden. Sie nimmt die neuen Studien zum Anlass, mit allen Beteiligten in Gesellschaft und Wissenschaft die Diskussion über eine dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechende Entkriminalisierung bzw. Entpönalisierung weiterzuführen, wobei auch mögliche gesetzliche Änderungen im Bereich der sogenannten Konsumentendelikte grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden."
Zur Website der Grünen Hilfe
Zur Website des Bundesministeriums für Gesundheit
Zur Website von Hanf!


Ein Neunundzwanzigjähriger wurde in Thüringen wegen einer einzigen Haschischzigarette zu eineinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Diese eine Zigarette kostet den deutschen Steuerzahler ca. DM 80.000 Haftkosten. Der Verurteilte hatte eine junge Frau, die bereits Erfahrungen mit Cannabis gemacht hatte, mitrauchen lassen. Nachdem sie bereits Mutter eines Kindes war, schätzte er sie auf 20-21. Tatsächlich war sie aber noch einen Monat von ihrem 18. Geburtstag entfernt.
 
Selbst für Gewaltdelikte wie Körperverletzung sieht das Gesetz keine Mindesstrafe vor. Für Abgabe auch geringer Mengen von Cannabis an Personen unter 18 durch Personen über 21 gilt jedoch eine Mindesstrafe von 12 Monaten Haft. Dabei sind die gefährlicheren Drogen Alkohol und Nikotin bereits ab 16 legal und selbst ihr Verkauf an Kinder kann derzeit höchstens mit einer Geldbusse bestraft werden. Die Strafe steht hier in keinem Verhältnis zum verursachten Schaden.
 
Thüringer Allgemeine 06.04.2001
Leserbriefadresse der Thüringer Allgemeinen


Die Jungliberale Aktion Sachsen hat am Donnerstag mit einem symbolischen "Coffeeshop" in Chemnitz für eine Legaliserung von Cannabis demonstriert. Die Aktion soll am Karsamstag fortgesetzt werden.
 
Website der Jungliberalen Aktion Sachsen



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