Cannabislegalisierung in Deutschland!
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Ältere Neuigkeiten: 13.06.2001 - 10.07.2001

10.07.2001

Die fünfte Hanfparade, die grösste deutsche Veranstaltung für eine Cannabislegalisierung, soll am 1. September 2001 wie geplant in Berlin stattfinden. Auf unsere Seite mit Aktionen erfahren Sie näheres zum Verlauf an jenem Samstag in knapp über 7 Wochen. Wir würden uns über Ihre Teilnahme bzw. Unterstützung freuen!

Hanfparade 2001 am 1. September 2001

Das Ermittlungsverfahren gegen einen Mitarbeiter des Hanfmuseums in Berlin ist eingestellt worden (wir berichteten):

Ermittlungsverfahren gegen Hanfmuseum eingestellt


In Portugal ist vor wenigen Tagen eine vorigen November beschlossene Gesetzesänderung in Kraft getreten, nach der der Besitz geringer Mengen von illegalen Drogen keine Straftat mehr ist sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet wird.

Portugal entkriminalisiert Besitz und Konsum von Drogen


In Grossbritannien wollen sich der Zoll und die Polizei künftig auf harte Drogen konzentrieren. Der Cannabis-Handel soll nur noch als Nebenprodukt von Ermittlungen wegen harten Drogen verfolgt werden.

The Observer: Police end cannabis seizures


09.07.2001

Die Diskussionen um eine Cannabislegalisierung werden in Großbritannien derzeit sehr aktiv geführt. Und dabei kommen überraschende Positionen der beiden größten Parteien zu Tage: Der neue britische Innenminister David Blunkett (Labour) befürwortet die Initiative der Londonder Polizei, Cannabiskonsumenten künftig nur noch zu verwarnen. Überraschend kam die Aussage von Michael Portillo, aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge des bisherigen Oppositionsführers William Hague, die Konservative Partei müsse den Mut haben, über eine Cannabislegalisierung nachzudenken. Und während auch andere konservative Politiker fordern "Cannabis mehr oder weniger so zu behandeln wie Tabak" (Rees-Mogg), bleibt Premierminister Blair (Labour) hart. Aus dessen Büro heißt es nur: "Unsere Politik zu Drogen hat sich nicht geändert."

Berliner Zeitung: Nur Blair bliebt hart
The Times: Home Secretary Praises Cannabis Scheme
The Guardian: Blunkett Backs Soft Approach On Cannabis


Gary Johnson, der republikanische Gouverneur des US-Bundesstaats New Mexiko, ist für eine Legalisierung von illegalen Drogen, beginnend mit Cannabis. Er unterstützt die Heroinverschreibung nach Schweizer Muster. Der 48jährige Fitnessfanatiker der seit Jahren keinen Alkohol mehr trinkt, Marathons läuft und nach seinem Ausscheiden aus dem Amt den Mt. Everest besteigen will, lehnt persönlich konsequent den Konsum von Drogen ab. Dabei weiss er, wovon er spricht. In seiner Jugend hat Johnson selbst Cannabis und Kokain konsumiert. Heute empfindet er Drogen als Handicap. Er wendet sich gegen den Versuch des Staates, jedem einzelnen Bürger diese Entscheidung mit Gewalt aufzuzuwingen. Die USA geben jährlich $30 Milliarden für ihren "War on Drugs" aus, dreimal mehr als der Golfkrieg gekostet hat, ohne vorzeigbare Erfolge. Die Gefängnisse quellen über, aber Drogen sind leichter zu bekommen denn je. Zeit, etwas neues zu versuchen, sagt Johnson: Ehrliche Aufklärung.

Den Kindern wird erklärt, dass Marihuana verrückt mache, sie gar daran sterben könnten. Was soll das? Dann probieren sie es aus und merken, dass das alles nicht stimmt. Wie viel von dem, was wir über alle anderen Drogen sagen, werden sie uns noch glauben? Wir müssen endlich ehrlich sein.
Gary Johnson
facts.ch: Legalize it now
Justice Policy Institute: The Costs of Imprisoning Drug Offenders in the United States


Eine umfangreiche Studie, mit 1600 Patienten, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde kam zu dem Ergebnis, dass Medikamente auf der Basis von Cannabis gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie helfen und sogar herkömmlichen Medikamenten überlegen sind.

Der Standard: Haschisch hilft gegen Brechreiz

In Kanada tritt am 30. Juli ein neues Gesetz in Kraft, welches Kranken Cannabiskonsum erlaubt. Die Patienten, denen Cannabis bei der Linderung ihrer Schmerzen hilft, erhalten vom Gesundheitsministerium einen Ausweis, der sie als rechtmäßige Cannabisbesitzer ausweist. Sie dürfen entweder selbst Hanfpflanzen anbauen, das Cannabis von einer anderen Person oder auch direkt vom Staat beziehen. Die Regierung hat dazu einen Vertrag mit einer Firma abgeschlossen. Das in 360 Metern Tiefe, in einer stillgelegten Kupfermine, hergestellte Cannabis wird in Form von Zigaretten ausgeliefert.

Der Standard: Der Staat als Marihuanahändler
Tagesthemen: Kanada: Marihuana für unheilbar Kranke (08.07.2001, 32:20, RealVideo)


07.07.2001

Der Sucht- und Drogenbericht 2000 des Bundesgesundheitsministeriums ist online verfügbar (für Microsoft™ Word). Eine Tabelle im Bericht zeigt, dass voriges Jahr bereits 21,2 Prozent der westdeutschen Bevölkerung Cannabiserfahrung hatten (1997: 13,4 Prozent). 6,1 Prozent der westdeutschen Bevölkerung hatten es als aktuelle Konsumenten im letzten Jahr konsumiert (1997: 4,5 Prozent). 3,3 Prozent waren regelmässige Konsumenten und hatten es auch in den letzten 30 Tagen konsumiert (1997: 3,0 Prozent). 10,4 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung hatten Cannabiserfahrung (1997: 4,2 Prozent). 5 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung hatten es als aktuelle Konsumenten im letzten Jahr konsumiert (1997: 2,3 Prozent). 3 Prozent waren regelmässige Konsumenten und hatten es auch in den letzten 30 Tagen konsumiert (1997: 1,7 Prozent).

Cannabisprävalenz DE/NL
  West 1997 Ost 1997 NL 1997 West 2000 Ost 2000
Lebenszeit 13,4 % 4,2 % 15,6 % 21,2 % 10,4 %
12 Monate 4,5 % 2,3 % 4,5 % 6,1 % 5,0 %
30 Tage 3,0 % 1,7 % 2,5 % 3,3 % 3,0 %

Damit hat eine weitgehende Angleichung der aktuellen Konsummuster zwischen Ost und West stattgefunden. Ein Vergleich mit den letzten verfügbaren Zahlen aus den Niederlanden (1997) zeigt, dass Westdeutschland die Niederlande in allen Kategorien übertrifft. Auch die neuen Bundesländer übertreffen mittlerweile die Niederlande in allen Kategorien ausser (teilungsbedingt) beim Lebenszeitkonsum. Während die meisten Westdeutschen oder Niederländer, die vor 1990 bereits Cannabis konsumiert hatten, inzwischen wieder damit aufgehört haben, war Cannabiskonsum im Osten damals noch fast unbekannt.

Laut der Cannabisentscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1994 ist ein Cannabisverbot nur zulässig "wenn der Gesetzgeber nicht ein anderes, gleich wirksames, aber das Grundrecht nicht oder weniger stark einschränkendes Mittel hätte wählen können." Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, ist das Cannabisverbot verfassungswidrig.

Sucht und Drogenbericht 2000 (MS Word-Format, 700 KB)


05.07.2001

Das schleswig-holsteinische Verwaltungsgericht in Schleswig hat entschieden, dass Richter Wolfgang Neskovic vorerst nicht an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe darf. Neskovic kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Bekanntgeworden war er durch seinen Vorlagebeschluss, der zur Cannabisentscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1994 führte.

Berliner Zeitung: Richter Neskovic darf vorerst nicht an den BGH

Vorlagebeschluss des Landgerichts Lübeck

Cannabisentscheidung des Bundesverfassungsgerichts


Wir haben unsere Seite mit Informationen über die niederländische Drogenpolitik überarbeitet. Neu ist ein Artikel mit Übersetzungen aus dem Niederländischen von Auszügen aus einer Fragestunde des niederländischen Parlaments vom 16.01.2001, in der es um die weitere Cannabispolitik in den Niederlanden und seinen europäischen Nachbarn ging.

Drogenpolitik in den Niederlanden


04.07.2001

Das UN Office for Drug Control and Crime Prevention (UNDCP) hat seinen Jahresbericht für 2001 vorgestellt. Der Bericht der UN-Behörde mit einem Jahresbudget von ca. 150 Millionen Euro enthält kaum Erfolgsmeldungen. Statt grosser Erfolge gabe es nur Skandale. Dubiose Zahlungen an einen Freund des UNDCP-Direktors Arlacchi und andere schwere Vorwürfe werden jetzt untersucht. Mehrere Länder haben ihre Beiträge an das UNDCP gekürzt oder bis auf weiteres komplett einstellen werden.

UNDCP Jahresbericht 2001 vorgestellt


03.07.2001

Im seiner vielbeachteten Entscheidung vom 09.03.1994 schrieb das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber vor, dass er dafür Sorge zu tragen habe, dass es bei der straflosen Einstellung von Anzeigen wegen geringer Mengen von Cannabis zum Eigenkonsum zu einer im wesentlichen einheitlichen Praxis kommt. Auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke (PDS) antwortete die Bundesregierung im April, dass dies nach ihren Erkenntnissen bereits der Fall wäre. Bereits im Jahre 1999 hatte die Regierung eine Anfrage der Abgeordneten Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP) so beantwortet. Wir haben die Studie, auf die sich die Bundesregierung in ihren Antworten beruft, untersucht und festgestellt, dass die Schlussfolgerung der Bundesregierung unzulässig ist. Tatsächlich bestehen eklatante Unterschiede in der Einstellungspraxis etwa zwischen Bayern und Hamburg.

Einstellungpraxis nach §31a BtMG


28.06.2001

Im Jahre 1992 warf der damalige bayerischer Innenminister Edmund Stoiber den Legalisierungsbefürwortern vor, ihre Politik würde die Zahl der drogenbedingten Todesopfer steigern:

Wer den freien Genuss von Cannabis befürwortet, nimmt in verantwortungsloser Weise den Tod von Tausenden junger Menschen in Kauf.
Stillschweigend wurde angenommen, dass der Cannabiskonsum zunähme und dass Cannabis eine "Einstiegsdroge" zu Heroin sei. Diese Annahmen sind nicht plausibel.
 
Die bayerische Staatregierung und andere Gegner einer Liberalisierung verweisen gerne auf die harte Linie in Schweden, die ihrer Meinung nach zu einer Reduzierung der Drogenprobleme geführt habe. Dabei liegt die Drogensterblichkeit in Bayern, Deutschland und Schweden um ein vielfaches höher als in den Niederlanden, wo Cannabis seit 1976 entkriminalisiert ist. Könnte Deutschland seine Sterblichkeitsrate auf den Wert der Niederlande senken, dann würden etwa 1300-1600 Menschenleben pro Jahr gerettet.
 
Cannabis-Entkriminalisierung und Drogentote
Drogensterblichkeit in der EU-Ländern (gesamt)
Drogensterblichkeit in der EU-Ländern (bezogen auf Einwohnerzahl)


27.06.2001

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Akzeptanz erschien ein sehr positiver Artikel von Dr. Hansjörg Schäfer von der SPD. Wir haben deshalb am Welttag der Drogen (26.06.2001) einen Brief an Dr. Schäfer geschickt, in dem wir z.B. erklären, warum internationale Verträge einer Cannabis-Entkriminalisierung nicht im Wege stehen.
 
Artikel von Dr. Schäfer zu Reformen in der Cannabispolitik
Brief an Dr. Schäfer
Cannabisverbot und internationale Drogenabkommen


Der neue britische Innenminister, David Blunkett, befürwortet die Initiative der Londoner Polizei, Cannabiskonsumenten künftig nur noch zu verwarnen. Er schloss nicht aus, dass dieses Experiment, falls erfolgreich, auf ganz Grossbritannien ausgedehnt wird. Am selben Tag meinte Michael Portillo, der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge des bisherigen Oppositionsführers William Hague, die Konservative Partei müsse den Mut haben, über eine Cannabislegalisierung nachzudenken.
 
The Times: Home Secretary Praises Cannabis Scheme
The Guardian: Blunkett Backs Soft Approach On Cannabis


Das Medienprojekt MAP-DE, die deutsche Version des Media Awareness Project, ist auf den Server des Original-MAP umgezogen. Der Inhalt der Site hat sich kaum geändert, auch die Leserbriefarchive von Joe Wein und Jorgen Schäfer gibt es noch. Die deutsche Unterseite erreichen Sie direkt unter http://www.mapinc.org/mapde/. Derzeit über 130 Teilnehmer lesen Artikel zu drogenpolitischen Themen und antworten darauf mit Leserbriefen.
 
http://www.mapinc.org/mapde/


Eine kürzliche Buchempfehlung in der Welt für "Hasch - Zerstörung einer Legende" von Peggy Mann hat uns dazu veranlasst, einen Text zu diesem Buch auf unsere Website zu stellen, ebenso über den darin besonders oft zitierten Nervenarzt Dr. Gabriel Nahas. Das Buch beruft sich auf einseitig ausgewählte, über zwanzig Jahre alte, wissenschaftlich weitgehend diskreditierte Studien. Dr Nahas ist ein Fanatiker der mit unseriösen Mitteln arbeitet. Er arbeitet unter anderem auch mit der Schweizer Psychosekte VPM zusammen.
 
Informationen zu Peggy Mann: "Hasch - Die Zerstörung einer Legende"
Informationen zu Dr. Gabriel Nahas


26.06.2001

Heute ist «Weltdrogentag». Erfahrungsgemäss werden an einem solchen Tag viele Reden gehalten, aber kaum sinnvolle Vorschläge gemacht:

"Am Ende der Drogenhilfe muss ein Leben ohne Drogen stehen", meint der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) in Hamm, Rolf Hüllinghorst. Dabei sind laut der Website der DHS auch Alkohol und Koffein Drogen. Wie die CDU/CSU schiebt Hüllinghorst die Verantwortung für den Anstieg des Cannabiskonsums auf die Legalisierungsbefürworter und versucht, sich damit vor der Legalisierungsdiskussion zu drücken: "Durch die Diskussion um Legalisierung und Freigabe bekommen junge Menschen das Gefühl, dass Drogen so schlimm gar nicht sein können." Dabei entspricht es nur den Tatsachen, dass Cannabis weniger riskant ist als Alkohol und Nikotin. Über die beiden meistmissbrauchten Drogen wird heute interessanterweise kaum geredet - trotz 5,8 Millionen starken Rauchern, 1,5 Millionen Alkoholabhängigen und 2,4 Millionen Alkoholmissbrauchern allein in Deutschland. Das zeigt, wiesehr das Thema Drogen von Vorurteilen und Irrationalität geprägt ist.
 
(dpa): Drogen-Akzeptanz bei Jugendlichen wächst
(dpa): Alkohol ist Volksdroge

UNO-Generalsekretär Kofi Annan setzt auf Sport. «Während Drogenmissbrauch den Körper und den Geist zerstört, macht Sport sie stärker», sagte Annan in einem am Montag verbreiteten Aufruf zum weltweiten Tag gegen Drogenmissbrauch und Drogenhandel. Dass gerade in Sportvereinen die Droge Alkohol fest dazugehört, wird hier ausgeklammert, ebenso wie das grassierende Dopingproblem und der vorzeitige körperliche Verschleiss im Leistungssport. Andererseits wird verantwortungsvoller Gebrauch von illegalen Drogen, wie er bei Cannabis vorherrscht, von vorneherein ausgeschlossen. Herr Annan, Drogenpolitik braucht mehr als einfache Klischees!
 
Aargauer Zeitung: Weltdrogentag: Annan setzt auf Sport im Kampf gegen Drogen
Ärztezeitung: Sportvereine verhindern Drogenkonsum nicht


Wir haben einen Link zu einer Übersicht von Fernsehsendungen um Drogen unserem Terminkalender hinzugefügt:
 
Drogen im Fernsehen (Übersicht der nächsten Wochen)


24.06.2001

In Frankreich, den USA und Kanada gibt es neue Entwicklungen zu Cannabis als Medizin - nur nicht in Deutschland, wo Cannabis noch bis 1958 als Arznei zugelassen war.
 
Der französische Gesundheitsminister Bernhard Koucher lässt Cannabis als Medizin testen. In sechs Krankenhäusern in Frankreich soll die Wirksamkeit von Cannabis u.a. zur der Schmerzbekämpfung erprobt werden.
 
Cannabis als Medizin in Frankreich

Seit bis zu 23 Jahren versorgt die amerikanische Regierung 7 Patienten mit legalem Cannabis als Medizin. Im Jahre 1992 wurde dieses Programm von der Regierung Bush für neue Patienten geschlossen. Im Jahre 1997 sprach sich der amerikanische Ärzteverband AMA gegem die Wiederöffnung dieses Programms für weitere Patienten aus. Auf einem Kongress am 19. Juni zog der AMA nun seine ablehnende Haltung zu diesem Punkt zurück. Er bekräftigte ausserdem das Recht von Ärzten, ihren Patienten den medizinischen Gebrauch von Cannabis zu empfehlen.
 
AMA Takes Neutral Position on "Compassionate Use" for Medical Marijuana

In Kanada können bis Juli Lizenzen zum legalen Anbau von Cannabis zur Versorgung von Patienten beantragt werden. Bereits etwa 250 Patienten in Kanada haben eine Erlaubnis zum Besitz von Cannabis.
 
Seattle Times: Canada Set To License Pot Farms (Kanada)


23.06.2001

Wo es keine rationalen Gründe gibt, müssen irrationale Gründe herhalten. Das amerikanische Cannabisverbot von 1937 wurde mit einer Rufmordkampagne in der Sensationspresse vorbereitet. Das Hauptargument für das Verbot war die Behauptung, Cannabis mache seine Konsumenten wahnsinnig ("Reefer Madness"). In den folgenden Jahren befassten sich Experten mit dieser Behauptung und fanden keine Grundlage dafür. Trotzdem wurde das Verbot bis heute beibehalten und die widerlegten Behauptungen wurden noch Jahrzehnte lang geglaubt. Illegale Drogen sind eben ein beliebter Sündenbock. Wie alle Sündenböcke erfüllen sie ein psychologisches Bedürfnis. Man kann sie für Dinge verantwortlich machen die nur schwer zu verstehen sind, wie z.B. hier:

"Schürmann-Tochter: Todesfahrer unter Drogen"
München - Petra Schürmann (65) ist eine gebrochene Frau. Der Tod ihrer Tochter Alexandra (34) hat sie stumm gemacht. Sie steht unter starken Beruhigungsmitteln, wird vielleicht nie wieder vor die Kamera treten. Tobias B. (23) hat ihre Tochter am Donnerstagmorgen totgefahren. Als Geisterfahrer, der sich selbst umbringen wollte. Jetzt kam heraus: Er fuhr im Drogenrausch!
 
Bei der Obduktion fanden die Gerichtsmediziner in Tobias' verbranntem Körper Rauschgift - Cannabis.
 
(Hamburger Abendblatt, 23.06.2001)
Die Tatsachen: Es handelt sich um keinen Unfall durch rauschbedingte Fahrunfähigkeit. Der 23-jährige Geisterfahrer war scheinbar lebensmüde. Erst vor wenigen Wochen hatte sich seine Freundin von ihm getrennt. An jenem Tag wendete er absichtlich auf der Autobahn. Vor Jahren stand er bereits wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht weil er einen tödlichen Unfall verursacht hatte: Er hatte Alkoholprobleme. Seine Mutter leidet an Schizophrenie.
 
Sogenannte "Cannabis-Spuren" in der verbrannten Leiche lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob der Täter zum Tatzeitpunkt überhaupt unter Cannabiseinfluss stand. Moderne Analysemethoden suchen nicht nach dem aktiven Wirkstoff von Cannabis, sondern nach im Körper verblieben Abbauprodukten die Monate nach dem letzten Konsum noch nachgewiesen werden können. Mehr als ein Drittel der 18- bis 24jährigen in Deutschland haben Cannabiserfahrung.
 
Sollte der Täter bei diesem Unfall tatsächlich unter Cannabiseinfluss gestanden haben, dann ist das kein Argument für die Strafverfolgung anderer Cannabiskonsumenten die niemandem schaden. Oder sollten für einen Mord im Alkoholrausch künftig auch alle Bier- und Weintrinker kollektiv bestraft werden? Eine solche Strafe würde vor allem Unschuldige treffen.
 
Wie sind gegen berauschte Fahrer auf Deutschlands Strassen, egal ob mit Cannabis oder Alkohol. Niemand von uns will von verantwortungslosen Fahrern verletzt oder getötet werden. Ein Verbot schreckt aber keinen zum Selbstmord Entschlossenen ab. Hätte der Unfallverursacher psychologische Hilfe in Anspruch genommen statt auf diese Weise Selbstmord zu begehen, dann könnte Alexandra Freund vielleicht noch leben. Viele drogenkonsumierende Menschen mit psychischen Problemen suchen deshalb keine professionelle Hilfe auf weil sie Angst vor Strafen haben. Strafverfolgung für Cannabiskonsumenten, ob sie Probleme haben oder nicht, ist kontraproduktiv.
 
Abendblatt: Schürmann-Tochter: Todesfahrer unter Drogen
Cannabis im Strassenverkehr


22.06.2001

Das Bundesgesundheitsministerium hat zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zwei Studien vorgestellt. Die "Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 2000" (Bundesstudie) des Instituts für Therapieforschung befasst sich mit dem Gebrauch legaler und illegaler Drogen in der Altersgruppe von 18-59 Jahren. Die Studie "Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2001" Drogenaffinitätsstudie) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung deckt die Altersgruppe von 12-25 Jahren ab.

Insgesamt 9,5 Millionen Einwohner Deutschlands haben Erfahrungen mit illegalen Drogen, die meisten davon mit Cannabis. Das entspricht beinahe die Einwohnerschaft von Baden-Württemberg. 21,4 Prozent der Einwohner Westdeutschlands und 10,8 Prozent der Einwohner Ostdeutschlands haben Cannabiserfahrung. 6,5 Prozent der Einwohner Westdeutschlands und 5,2 Prozent der Einwohner Ostdeutschlands haben in den letzten 12 Monaten illegale Drogen konsumiert, im Vergleich zu 4,9 Prozent und 2,7 Prozent im Jahre 1997. Der Konsum illegaler Drogen (vor allem von Cannabis) hat also im Westen in nur drei Jahren um ein Drittel zugenommen, während er sich im Osten fast verdoppelt hat. Dies zeigt, dass vom strafrechtlichen Verbot von Cannabis keine präventive Wirkung mehr ausgeht.
 
BMG: Pressemitteilung von Marion Caspers-Merk und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 2000
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Aktuelle Studien
BZgA: Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2001 (Adobe PDF, 360 KB)


Eine Studie der belgischen Finanzverwaltung hat ausgehend von einer Prävalenzstudie der Freien Universität Brüssel die möglichen jährlichen Staatseinnahmen aus einer Cannabisbesteuerung auf 14,4 Milliarden Belgische Francs (ca. 720 Millionen DM) geschätzt. Wir halten diese Schätzung für deutlich zu hoch weil sie ignoriert, dass die meisten Cannabiskonsumenten nur gelegentlich konsumieren:
 
La derniére heure: Le H, une manne pour l'Etat...

Die folgende drei Studien befassen sich ebenfalls mit dem finanziellen Nutzen einer Cannabislegalisierung. Die Muselmann-Studie geht von einer etwa fünfmal höheren regelmässigen Konsumentenzahl aus als durch Umfragen ermittelt. Die beiden anderen Studien liefern jedoch recht realistische Ergebnisse:
 
Thomas Kessler: Anbauprogramm für Konsumhanf im Berggebiet (Schweiz, 1987)
Harald Muselmann: Wirtschaftliche Möglichkeiten einer Hanflegalisierung (Deutschland, 1999)
Library of Commons: Library Research Paper 00/74 (Grossbritannien, 2000)


Die Hamburger Morgenpost hat eine komplette Seite mit Leserbriefen zum Cannabisverbot veröffentlicht, so überwältigend war das Leserecho auf einen jüngsten Artikel über Razzien gegen illegale Händler. Das zeigt, dass Leserbriefe ernstgenommen werden:
 
Morgenpost: "Marihuana-Steuern" statt teure Razzien
Facsimile der MoPo-Leserbriefseite
Leserbriefaktion MAP-DE


17.06.2001

Vor einem Jahr empfahl die britische Polizeistiftung die Entkriminalisierung von Cannabis. Am Freitag, den 15.06.2001, beschloss Scotland Yard, ab 02.07.2001 im Bezirk Lambeth in Südlondon auf Cannabisbesitz nur noch mit Verwarnungen zu regieren. Ertappte Konsumenten müssen nicht mehr auf die Wache kommen und mit keiner Geldbusse oder Verhaftung mehr rechnen. Das Cannabis wird lediglich beschlagnahmt und vernichtet. Der Fall wird noch in den örtlichen Akten der Wache notiert aber nicht mehr an die Staatsanwaltschaft weitergemeldet. Scotland Yard rechnet mit mehreren Stunden Arbeitsersparnis pro Fall und verweist darauf, dass Gerichtsverfahren für Konsumdelikte Kosten bis zu 10.000,- Pfund (30.000 DM) pro Fall verursachen. Dadurch kann sich die Polizei effektiver um andere Delikte kümmern. Sollte sich die neue Prozedur in Lambeth bewähren, dann ist mit einer Ausweitung auf ganz London zu rechnen.
 
The Observer: A timely warning
The Guardian: Yard relaxes approach to cannabis offences

30.000 Menschen nahmen am Samstag dem 16.06.2001 trotz Regen an einer Veranstaltung in London für die Cannabislegalisierung teil:
 
The Guardian: 30,000 Attend Cannabis Festival

Im Juli beginnt ein Prozess vor einem Geschworenengericht um 1,8 Gramm Cannabis. Es geht darum, ob strafrechtliche Verfolgung von Cannabisbesitz eine verhältnismässiges Rechtsmittel nach dem britischen Menschenrechtsgesetz ist, das im Oktober vorigen Jahres in Kraft trat.
 
The Guardian: Cannabis law faces court challenge


Wir haben Informationen über die französische Drogenpolitik auf unsere Website gestellt. Die französischen Gesetze gehören zu den strengsten in Europa, ohne dass deswegen der Cannabiskonsum weniger verbreitet wäre als in Deutschland oder in den Niederlanden.
 
Mehr dazu hier


16.06.2001

Jährlich 25.000 Anzeigen für Cannabisdelikte unter nur 3,8 Millionen Einwohnern haben nicht verhindern können, dass 52 Prozent aller Neuseeländer zwischen 15 und 45 bereits Cannabis konsumiert haben. Seit der letzten Wahl wird die Commonwealth-Nation von einer Koalition aus Sozialdemokraten und Grünen regiert. Auf Druck der Grünen studiert die Regierung jetzt eine Reform der Cannabisgesetze und führt Anhörungen dazu durch. Der Neuseeländische Ärzteverband will einer Entkriminalisierung nicht im Wege stehen, wenn dadurch der Gebrauch und Missbrauch nicht zunehmen wird. 60 Prozent der Neuseeländer sind für eine Legalisierung oder Entkriminalisierung.
 
Mehr dazu hier


15.06.2001

Vor wenigen Tagen protestierten die Richter am Landgericht Hamburg fast geschlossen gegen die Überlastung der Justiz. "Der Anspruch des Bürgers auf Rechtsgewährung, zügige Prozesse, angemessene Urteile und zeitnahe Entscheidungen kann nicht mehr gewährleistet werden," berichtete die Welt. "Die Justiz in Hamburg vor allem im Strafbereich [stehe] bei einzelnen Kammern vor dem Konkurs." Auf den Reformbedarf in der Drogenpolitik verwies dabei die rechtspolitische Sprecherin der GAL, Bettina Kähler. Sie machte darauf aufmerksam, dass eine Legalisierung von Cannabis die Justiz entlasten kann. Allein voriges Jahr ergingen in Hamburg 12.484 Strafanzeigen wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz (ca. 240 Fälle pro Woche). Bundesweit geht es bei 54,8 Prozent dieser Fälle ausschliesslich um Cannabis. Insgesamt mussten sich Staatsanwälte und Richter voriges Jahr mit 131.662 Strafanzeigen wegen Cannabis beschäftigten, mehr als doppelt soviele als im Jahre 1994. Dass es auch anders geht zeigen die Niederlande bereits seit dem Jahre 1976, mit besseren Ergebnissen als in Deutschland.
 
Zahlen zum Cannabisverbot
Polizeiliche Kriminalstatistik (Bundeskriminalamt)


Vier Jahre Haft für Cannabisanbau: Ein 60-jähriger, der vorher noch nie vor einem Richter gestanden hatte, wurde vom Landgericht Stuttgart für den Anbau von Cannabis zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Um die 400.000 DM soll er sich durch seinen Gartenbau erwirtschaftet haben. Wäre Cannabis wieder legal dann hätte der Finanzminister daran verdient. Stattdessen werden jetzt die baden-württembergischen Steuerzahler bis zur Freilassung über 200.000 DM an Haftkosten tragen müssen, während wahrscheinlich ein anderer Gärtner oder Schmuggler die Abnehmer mit Hanfkraut versorgen wird.
 
Sindelfinger-Böblinger Zeitung: Vier Jahre Haft für Cannabis-Züchter


Seit November vorigen Jahres gibt es das Medienprojekt MAP-DE. Es ermöglicht seinen Teilnehmern, gezielt auf Artikel in der Tagespresse mit Leserbriefen zu antworten. Unser Ziel ist eine sachlichere, ausgewogenere Berichterstattung über drogenpolitischen Themen in den Medien. Die Leserbriefsammlung von MAP-DE-Teilnehmer Jorgen Schäfer ist ein Beispiel dafür, wie jeder einzelne von uns zur öffentlichen Aufklärung beitragen kann, ohne die eine Reform der Drogenpolitik nicht möglich ist.
 
MAP-DE: Leserbriefe für die Legalisierung
Leserbriefarchiv von Jorgen Schäfer
Neubrandenburg: Drogenproblem verkannt


13.06.2001

Eine Studie der University of Buffalo (USA) fand, dass amerikanische Cannabiskonsumenten weniger zu Übergewicht neigen als Nichtkonsumenten, obwohl sie im Schnitt 20-40 Prozent mehr Kalorien aufnehmen als Nichtkonsumenten. Es wird vermutet, dass Cannabis den Metabolismus ankurbelt, so dass der Grundumsatz steigt und mehr Kalorien verbrannt werden.
 
Netzzeitung: Marihuana und der Fresskick
National Post: Pot Smokers Just As Healthy - Study (Kanada)

Im November 1996 fand eine Studie der amerikanischen Regierung in Boston, dass Ratten denen über längere Zeit THC, der aktive Wirkstoff von Cannabis, verabreicht wurde, im Schnitt magerer waren als Vergleichstiere. Mehrere Arten von Tumoren traten dabei weniger häufig auf, was auf das niedrigere Körpergewicht zurückgeführt wurde:

"Survival of all dosed groups was generally significantly greater than that of the controls. Mean body weights of dosed groups of males and females were lower than those of the controls throughout the study."
"The incidences of mammary gland fibroadenomas and uterine stromal polyps were decreased in dosed groups of female rats, as were the incidences of pancreatic adenomas, pituitary gland adenomas, and interstitial cell adenomas of the testis in dosed male rats and liver neoplasms in dosed mice. These decreases were likely related to lower body weights in dosed animals."
Bereits in den 70er Jahren untersuchte die Studie von Rubin und Comitas, "Ganja in Jamaica" (ISBN: 90-279-7731-3), den Einfluss von Cannabis auf den Kalorienverbrauch. In Kapitel 5 ("Acute effects of ganja smoking in a natural setting") berichten die Autoren, dass Cannabis-erfahrene Testpersonen unter dem Einfluss von Cannabis für die selben köperlichen Arbeiten mehr Kalorien verbrauchten als ohne.


Cannabiskonsum kann, ähnlich wie Treppensteigen, Sport oder Sex, vorübergehend den Puls beschleunigen. Während davon für gesunde Personen kaum ein Risiko ausgeht, könnte der schnellere Puls bei gefährdeten Personen einen Infarkt auslösen. Dabei gelten die üblichen Risikofaktoren: Übergewicht, mangelnde Bewegung, hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte und Nikotinkonsum.
 
Ein Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift "Circulation" der American Heart Association berichtet von einem erhöhten Herzinfarktrisiko bei älteren Cannabisrauchern in den ersten beiden Stunden nach dem Konsum. "Das Risiko entspricht in etwa dem nach anstrengender sportlicher Betätigung und liegt leicht über dem nach Geschlechtsverkehr," meint Dr Murray Mittleman vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston. Innerhalb einer Stunde nach dem Rauchen soll das Infarktrisiko bei infarktgefährdeten Personen 4,8 mal höher liegen, in der zweiten Stunde noch 1,7 mal höher. Anzumerken ist jedoch, dass sich die Studie auf lediglich 37 befragte Patienten stützt (mittleres Alter: 44 Jahre), die in den 24 Stunden vor einem Infarkt Cannabis konsumiert hatten, davon nur 9 innerhalb einer Stunde. Diese Personen hatten im Schnitt mehr Übergewicht als Infarktpatienten die vorher kein Cannabis konsumiert hatten. Es liegen keine Zahlen dazu vor, wieviele der Infarktpatienten Zigarettenraucher waren.
 
Die praktische Aussagekraft dieser Studie ist damit noch unklar. Sicherheitshalber sollten jedoch Personen, auf die mehrere Risikofaktoren für Herzinfarkte zutreffen, Cannabis genauso wie Nikotin meiden.
 
DRCNet: Marijuana Heart Risk Unlikely to be Significant, Says Expert
Netzzeitung: Cannabis: Herzinfarkt für Babyboomer
ORF: Marihuana gefährlich für ältere Patienten


Aktuelle Neuigkeiten
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Ältere Neuigkeiten: 15.07.2000 - 31.10.2000

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