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Wickert gesteht: Ich nahm Hasch

Pubdate: Fri, 06 Apr 2001
Source: Hamburger Abendblatt
Contact: briefe@abendblatt.de
Copyright: Hamburger Abendblatt
Website: http://www.abendblatt.de/

"Tagesthemen"-Moderator spricht in der Zeitschrift "Max" über sein Drogenerlebnis

Bill Clinton tut es. Und Ulrich Wickert auch: Gestehen ist angesagt. Der freundliche Mann, der spät abends die neuesten Geschehnisse moderiert, hat zugegeben: Vor mehr als 30 Jahren hat er Haschtee getrunken , verriet er jetzt der Illustrierten "Max".

In einem von ihm autorisierten Gespräch mit dem Reporter Marc Kayser erzählt der NDR-Anchorman von seinem Trip und den merkwürdigen Dingen, die ihm dabei passierten - 16 Stunden lang dauerte der Rauschzustand des damals 26-Jährigen an, sagt der Moderator. Das Abendblatt druckt Auszüge aus dem "Max"-Artikel:

"Es war ein kühler Frühlingsabend in Bonn. 1968. Ich hatte gerade mein Erstes juristisches Staatsexamen bestanden und unter meinen Lebenslauf folgenden Satz geschrieben: ,Mit diesem Examen werde ich meine juristische Karriere beenden.' Offen gesagt: In dieser muffigen Gesellschaft wollte ich kein Jurist sein.

Ich wollte Selbstverwirklichung, mich nicht mit Paragraphen herumschlagen, mich selbst finden. Und ich wollte Hasch probieren. Die darauf folgenden 24 Stunden waren unglaublich.

Ich war 26 Jahre alt. Hatte Haare bis auf die Schultern, Koteletten bis zum Kinn, trug orangefarbene Samthosen mit einem Riesenschlag, dazu violette Nesselhemden und eine enorm große Brille mit rosa Gläsern. Ich sah aus wie ein Hippie.

An jenem Frühlingsabend also trafen wir uns zu viert in meiner Studentenbude in Bonn: meine Freundin, ein Freund und seine Freundin. Ich legte Sam Gopal auf, eine Art Meditationsmusiker. Wir saßen auf der Erde, hatten einen Kreis gebildet und sahen uns erwartungsvoll an. (...) Wir waren hier, um etwas ganz Besonderes zu tun: endlich Hasch probieren.

Wir redeten uns ein: Das wird auch ein wissenschaftliches Experiment. Da niemand von uns rauchte, mussten wir die Droge trinken. Mein Freund hatte Schwarzen Afghanen besorgt - als Sorte ein absolutes Muss. Wir sagten uns: ,Pro Kopf ein Gramm, das wird uns reichen.'

Wir tranken. Wir warteten. Es passierte nichts. (...) Wir kochten eine zweite Kanne Tee. Bröselten mehr Haschisch hinein. Tranken wieder. Plötzlich saß ich nicht mehr auf dem Boden. Dachte ich. Ich begann zu schweben. Meine Bewegungen verlangsamten sich auf eine mir unbekannte Weise.

Meine Freundin fing an zu kichern. Dann Lachkoller. Ich merkte, wie aus meinem Bauch eine Lachlawine emporrollte und aus mir herauswollte. Ich ließ sie kommen. Sie hielt etliche Minuten. Mir war, als sei aus mir ein zweiter geworden, der ein anderer Uli war. Wir schliefen auf dem Boden, wachten wieder auf, tranken weiter, schliefen wieder ein, kuschelten, wachten wieder auf.

Am nächsten Morgen sah ich neue Farben. Der Haschtee saß noch fest in meinen Sinnen. Ich war schon mehr als 16 Stunden auf meinem Trip. Aber ich hatte einen Termin: Ein Vorstellungsgespräch beim damaligen Fernsehdirektor beim WDR. Ich ging um 15 Uhr zu ihm: ,Hier', sagte ich als Erstes, ,setzen Sie mal meine rosa Brille auf. Die schafft neue Realitäten.' Der Mann sah mich an, als sei ich irr. Ich ahnte: Der war in einer anderern Welt als ich.

Ich redete recht wirres Zeug, so dass er mich relativ schnell aus seinem Büro verabschiedete. Ich tanzte hinaus auf die Straße und fühlte immer noch Glück in dieser Gegenwelt. Aber auf eine Wiederholung hatte ich keine Lust.

Meine Meinung von damals: Die Drogengesetzgebung ist überlebt. Sie schafft kriminalisierte Menschen. Man sollte Drogen legalisieren und sie in beschränkter Menge in Apotheken abgeben. Drogenhändler verlören ihre Jobs, und auf den Schulhöfen gäbe es keine Verführer. Hoch die Tassen! Daran hat sich bis heute nichts geändert."

Und jetzt: das, ähem, Wetter. (ph)

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