Cannabislegalisierung in Deutschland!
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Hanftag Regensburg

Grüne Jugend will Cannabis, Ecstasy und LSD legalisieren
Für ,Drogen-Fachgeschäfte'
Sprecherin Schmidberger: In den Läden wäre Beratung möglich

REGENSBURG (ddp) - Rund 500 Menschen haben beim "Hanftag" der Grünen Jugend Bayern in Regensburg für eine Legalisierung von Cannabis sowie der Designerdrogen Ecstasy und LSD demonstriert.

Das Suchtpotenzial und die gesundheitlichen Risiken der Hanfpflanze seien im Gegensatz zu Alkohol gering, sagte die Sprecherin der Jugendorganisation der Grünen, Katrin Schmidberger. Dagegen seien die Vorteile von Cannabis als Medizin wissenschaftlich erwiesen. Zudem würde die Freigabe zu einer Entkriminalisierung der Konsumenten führen und den Schwarzmarkt auflösen, betonte sie.

Nach Ansicht der Grünen Jugend sollten Cannabis, Haschisch und so genannte Designerdrogen wie Ecstasy und LSD kontrolliert und mit professioneller Beratung an Erwachsene ab 18 Jahren in "Drogenfachgeschäften" abgegeben werden können. "Dann wäre gewährleistet, dass die Konsumenten über die Gefahren und Risiken aufgeklärt wären und verantwortungsvoller mit Drogen umgehen würden", sagte Schmidberger. Dabei dürfte den Konsumenten nur eine bestimmte Menge an Drogen zustehen. Zudem könne die Verunreinigung der Drogen geprüft werden. Heroin und Kokain sollten dagegen ähnlich wie in der Schweiz von Ärzten verschrieben werden können.

Im Anschluss an die Kundgebung feierten die Demonstranten ein Hanffest mit Hanfbier, Hip-Hop-Musik und einer Hanf-Auktion, bei der so genannte Bons (Wasserpfeifen) ersteigert werden konnten.

1999 sind in Deutschland 1812 Menschen an den Folgen von illegalen Drogen gestorben. Dem standen rund 180 000 Menschen gegenüber, die durch den Konsum legaler Drogen wie Nikotin und Alkohol ums Leben kamen.

© NÜRNBERGER NACHRICHTEN

Newshawk: oxknox
Pubdate: Mon, 06 Aug 2001
Source: Nürnberger Nachrichten
Contact: textarchiv.nn@pressenetz.de
Copyright:  Nürnberger Nachrichten
Website: http://www.nn-online.de/
Notes: online: http://www.nn-online.de/nn/b4.htm


Rede für Hanftag in Regensburg

Tilmann Holzer

Kommt hier jemand aus Rosenheim in Oberbayern?
Niemand? Rosenheim ist eine ganz interessante Stadt, wenn man sich mit Cannabis in Bayern beschäftigt. Ihr kennt sicher den Spruch von bestimmten Politikern, dass "Cannabis sei eine "kulturfremde Droge" in Deutschland."

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass das nicht ganz richtig ist, Cannabis gibt es schon seit Jahrtausenden in Deutschland. Die ältesten Cannabisfunde in Deutschland werden auf 5500 vor Christi datiert, man hat sie in Thüringen gefunden. Aber auch aus Franken gibt es Belege: dort gibt es fränkische Backrezepte mit Hanfsamen (seit zwei Jahren verboten) aus dem 5. Jahrhundert. Hildegard von Bingen empfiehlt im 12. Jahrhundert Hanf zur Behandlung von offenen Wunden und Geschwüren. Hanf ist also eine altbekannte Sache, keineswegs kulturfremd.

Und Rosenheim? Ja, in Rosenheim wird die Geschichte richtig spannend. In Rosenheim gibt es einen Stadtteil der heißt Happing, dort war vor dem II. Weltkrieg eine "Versuchsanstalt für Pflanzenbau", die gibt es heute nicht mehr. Dort haben Wissenschaftler von der Universität Berlin Cannabis gezüchtet, mit dem Ziel, unabhängig von Cannabisimporten zu werden. Dr. Sabalitschka angeregt durch einerseits die Rohstoffknappheit des I. Weltkrieges und andererseits durch verschiedene therapeutische Anwendungen der Cannabispflanze, versuchte seit 1917 auf der "Versuchsanstalt für Pflanzenbau" in Happing bei Rosenheim, Oberbayern, harzreiche Cannabispflanzen zu züchten. Deutschland hat nämlich damals noch mehrere Tonnen Cannabis pro Jahr importiert. Vor allem für medizinische Zwecke. Die Wissenschaftler in Rosenheim haben sich nun Samen aus Indien bestellt und diese hochgezüchtet.

Indien war damals der Hauptexporteur von Cannabis, z.B. wurden 1865 3.360 Tonnen Ganja, also Grass aus Indien nach Europa exportiert (Indien war damals englische Kronkolonie!).

Mit 20 % Harzausbeute war der bayerische Haschisch ertragsreicher als die importierten Sorten. Es wurden über 3000 kg an den Großhandel geliefert, von diesem bayerischen Haschisch, so lautete der Titel eines Artikels in der Münchner Medizinischen Wochenschrift von 1928. Unter dem Titel "Bayerischer Haschisch" erscheint 1928 in der "Münchener Medizinischen Wochenschrift" ein Artikel über Versuche am mit dem in Happening gezüchteten Haschisch. Es wurden neben Tierversuchen auch intensive Selbstversuche durch Institutsmitglieder des Autors, Prof. Straub durchgeführt. Zur Wirkung schreibt Professor Straub: "Es besteht nach diesen Angaben kein Zweifel, dass der europäische Kulturhaschisch denselben Rausch erzeugen kann, den im Osten Millionen von Menschen als einzigen narkotischen Genuß des Daseins kennen, pflegen und schätzen." Damals war Cannabis auch noch legal, jeder konnte es in der Apotheke kaufen, soviel man wollte. Ein Cannabisproblem kannte damals auch noch niemand.

Cannabis ist in Deutschland erst seit dem 10. Dezember 1929 verboten, also gerade mal 72 Jahre.

Machen wir einen kleinen Zeitsprung in unsere Zeit:

1998 wurden in Deutschland 118.793 Anzeigen wegen Cannabis gestellt. Drei Viertel davon wegen geringen Mengen zum Eigenkonsum. Es werden also vor allem die kleinen Fische angezeigt. Diese 118.793 Anzeigen kriminalisieren freie Bürger dieses Landes. Deren einziges Verbrechen ist, statt der legalen Droge Alkohol eben auch gern mal einen Joint rauchen.

Ich denke, dass mündige Bürger selbst entscheiden können, welche Droge sie konsumieren wollen, und der Staat soll sich aus dieser Entscheidung raushalten.

Aber ist Cannabis nicht eine gefährliche Droge?

Keine Droge ist harmlos, weder Alkohol noch Cannabis. Beide werden von einer Minderheit missbraucht, während die Mehrheit einen kontrollierten Genusskonsum pflegt. Cannabis ist aber laut einer Studie des französischen Gesundheitsministeriums weniger gefährlich als Alkohol oder Tabak. Das schreibt auch die Zeitschrift "Deutsches Ärzteblatt": ich zitiere:

"Aus medizinischer Sicht wird kein Schaden angerichtet, wenn Cannabis vom Verbot befreit wird. Das Cannabis-Verbot kann durch medizinische Argumente nicht gestützt werden."

Cannabis ist auch keine Einstiegsdroge, dass schreibt das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil von 1994. 95 bis 98 % der Kiffer bleiben bei ihrem Grass und steigen nicht auf andere Drogen um, 95 bis 98 %!!

Das steht auch in der Kleiberstudie, die der ehemalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer in Auftrag gegeben hat. Ich zitiere: "Die Annahme, Cannabis sei die typische Einstiegsdroge für den Gebrauch harter Drogen wie Heroin, ist also nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand nicht haltbar." Aber Cannabis macht doch süchtig oder? Dazu schreibt das Bundesverfassungsgericht dass "das Suchtpotential der Cannabisprodukte als sehr gering eingestuft wird".

In den letzten Hundert Jahren wurden deshalb mindestens neun Regierungskommissionen mit der Untersuchung des Cannabisverbots beauftragt. Diese Kommissionen beginnen 1894 mit der indischen Hanfdrogenkommission, über die New Yorker La Guardia-Kommission 1944, den Baroness Wotton-Bericht 1968, USA bis zur eidgenössischen Cannabiskommission 1999. Alle, wirklich alle sprechen sich gegen die Kriminalisierung der Cannabiskonsumenten aus.

Und hier in Deutschland?

Rot-Grün hat da viel versprochen, aber wenig gehalten. Das liegt weniger an den Grünen, die zwar wollen, aber sich nicht trauen, weil sie Angst haben, sondern eher an der SPD. Diese hat bereits unter der Helmut Schmid 1980 eine Reform des BtMG beschlossen. Im Referentenentwurf des Ministeriums wurde die Entkriminalisierung empfohlen, so ähnlich wie in Holland. Bereits 1980! Das wurde dann aber vom Kabinett, damals rot-gelb wieder gestrichen.

Heute unter rot-grün sieht es nicht viel besser aus. Wir warten bereits im siebten Jahr auf eine einheitliche geringe Menge in Deutschland. In Schleswig-Holstein passiert mit 30 g Hasch in der Tasche nicht viel, hier in Bayern dagegen ist schon mit einem Gramm viel Polizei aktiv. Auch werden hier in Bayern, wie eine gerade durchgeführte Berechnung unseres Vereins für Drogenpolitik ergab nur 19 % der Fälle mit geringen Mengen eingestellt. In Schleswig-Holstein dagegen 92 %, also fast alle!!!

Das ist ungerecht! Deutschland ist drogenpolitisch tief im Mittelalter, kleine eingebildete Stammesfürsten, manche wollen ja sogar Kanzlerkandidat werden, legen die Gesetze aus, wie's ihnen gerade passt. Das entspricht nicht dem Grundgesetz, dort ist die Rechtsgleichheit für ganz Deutschland festgeschrieben. Deshalb fordern wir hier und heute auch Rechtsgleichheit für alle Cannabiskonsumenten, im Norden und im Süden. Konkret fordern wir Straffreihheit für 30 g Haschisch in ganz Deutschland. D.h., wer mit 30 g Hasch erwischt wird, bei dem muss das Verfahren zwingend eingestellt werden. Die Betonung liegt auf muss! In den Niederlanden funktioniert dass seit den 1970ern wunderbar, prozentual gibt es dort sogar weniger Kiffer als in Deutschland oder der USA.

Das Verbot hat also keine generalpräventive Funktion. Das zeigt auch die Geschichte aus Rosenheim, damals, als in den 20ern Cannabis noch legal war, hat sich außer ein paar Apothekern kaum jemand dafür interessiert. Und was wäre wenn wir wieder zurück in die 20er gehen würden und Cannabis legal an ab 16-jährige verkaufen würden? In Drogenfachgeschäften? Von Drogenfachverkäuferinnen? Mit totalem Werbeverbot?

Das können wir uns in einigen Nachbarstaaten anschauen: Die Schweiz ist gerade dabei Cannabis zu legalisieren, in Belgien ist es schon entkriminalisiert. Gestern hat die ukrainische Regierung ein Gesetz zur Entkriminalisierung von Drogengebrauchern angekündigt. Das gleiche ist gerade in Portugal in Arbeit. Auf Jamaica hat eine Kommission gerade die Entkriminalisierung empfohlen. Im kroatischen Parlament wurde letztes Jahr eine entsprechende Vorlage diskutiert. In London wird als Modellprojekt in einem bestimmten Stadtteil die Verfolgung von Cannabiskonsumenten eingestellt. Kanada hat medizinisches Cannabis legalisiert und arbeitet an der Entkriminalisierung. Und in Deutschland: letzten Monat hat die sozialdemokratische Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk in Mannheim erklärt: "Mit mir wird es auch in der nächsten Legislaturperiode keine Cannabislegalisierung geben."

Deshalb ist es jetzt an der Zeit für außerparlamentarischen Druck: Wenn wir nicht selber aktiv werden, wer soll es denn dann für uns machen? Es muss Druck auf die Parteien ausgeübt werden, es müssen Argumente in die Öffentlichkeit getragen werden und wir müssen uns organisieren! Nur organisierte Interessen haben Einfluss in dieser Republik. Wer kümmert sich aber um die Cannabislegalisierung in Deutschland? Mein Angebot ist der Verein für Drogenpolitik e.V.. Wer aktiv an der Cannabislegalisierung mitmachen will, der ist dort richtig aufgehoben. Der Verein für Drogenpolitik ist überparteilich, offen für alle mit Interesse an Drogenpolitik und engagiert sich für eine bessere, eine menschlichere Drogenpolitik. Dazu gehört natürlich auch die Cannabislegalisierung und alle Zwischenschritte auf dem Weg dorthin. Mehr Infos stehen auf den Flyern, ich danke Euch!

Tilmann Holzer,
1. Vorsitzender des Vereins für Drogenpolitik e.V.